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Strea­ming — Ei­ne neue Umweltsünde?

Strea­ming steht im­mer wie­der in den Schlag­zei­len und wird da­bei oft­mals als neue Um­welt­sün­de be­han­delt. Auch wir ha­ben euch in un­se­rem letz­ten Blog emp­foh­len, dass Down­loa­den ge­gen­über dem Strea­ming zu be­vor­zu­gen. Aber wor­auf ba­siert die­se Emp­feh­lung? Dies wol­len wir in die­sem Blog­bei­trag et­was ge­nau­er er­läu­tern. Da­für ge­hen wir auf die Pro­ble­ma­tik des Strea­ming ein, be­schrei­ben be­stehen­de An­nah­men zur Zu­kunft und er­klä­ren, wie wir mit un­se­rem Ver­hal­ten ei­nen klei­nen Bei­trag leis­ten können.

Wie funk­tio­niert Streaming?

Das Strea­men von Vi­de­os oder Mu­sik ist ein re­la­tiv neu­es Phä­no­men in un­se­rer Ge­sell­schaft. Strea­men ist ei­ne on­line Lie­fe­rungs­me­tho­de von Da­ten, wo­bei kon­stant In­hal­te für die Nutzer:innen zur Ver­fü­gung ste­hen. Da­durch müs­sen die­se In­hal­te nicht mehr auf das Ge­rät her­un­ter­ge­la­den wer­den, da sie je­der­zeit mit ei­ner In­ter­net­ver­bin­dung zur Ver­fü­gung ste­hen. Mög­lich wird dies durch so­ge­nann­te Da­ten­zen­tren mit tau­sen­den von Ser­vern. Die­se sind rund um die Uhr in Be­trieb und wer­den im­mer ge­kühlt. Auf den Ser­vern ist das ge­such­te Ma­te­ri­al (oder bes­ser ge­sagt Da­ten) ab­ge­spei­chert. Über das In­ter­net ge­langt das ge­such­te Ma­te­ri­al zum Kon­su­men­ten, wel­cher dann be­ginnt zu strea­men. So­bald ein Vi­deo oder die Mu­sik vom Kon­su­men­ten aus­ge­schal­tet wird, en­det der Strea­ming Pro­zess. Die­ser ge­sam­te Pro­zess kos­tet durch die Be­trei­bung der Ser­vers so­wie der per­ma­nen­ten Über­tra­gung sehr viel Strom und führt da­durch zu er­höh­ten CO2 Emissionen.

Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit und Zukunft

Be­vor die Tech­no­lo­gie der Strea­ming­diens­te er­fun­den wur­de, wur­den DVDs oder CDs als Me­di­um zur Über­lie­fe­rung von Vi­de­os und Mu­sik­da­tei­en ver­wen­det. Doch sind die­se Über­lie­fe­rungs­me­tho­den um­welt­freund­li­cher als das Strea­men? Um die­se Fra­ge klä­ren zu kön­nen, lohnt sich ein Blick auf Be­rech­nung von She­ha­bi und Kol­le­gen aus dem Jahr 2014. Ih­re Be­rech­nun­gen spre­chen da­für, dass durch das Strea­ming, im Ver­gleich zum Kau­fen von DVDs, CO2 Emis­sio­nen re­du­ziert wer­den kön­nen. Wie auf der un­te­ren Gra­fik zu er­ken­nen ist, liegt dies vor al­lem an zwei Grün­den: Ers­tens le­gen Men­schen beim Kau­fen oder Aus­lei­hen von DVDs ei­nen Weg zu­rück, wo­bei da­für oft­mals das Au­to ge­nutzt wird. Dies be­las­tet die Um­welt stär­ker als nur das Strea­men die­ser Da­tei­en. Zwei­tens braucht der DVD-Play­er auch En­er­gie, wes­halb Strea­ming als um­welt­freund­li­cher an­ge­se­hen wur­de. Je­doch be­rech­ne­ten She­ha­bi und Kol­le­gen die­se Zah­len im Jahr 2014 mit Da­ten aus dem Jahr 2011. 

Grafik, welche fünf Überlieferungsmethoden bezogen auf Energie und CO2 Emissionen vergleicht
Abb. 1: Auf die­ser Gra­fik sind ho­ri­zon­tal die je­wei­li­gen Über­lie­fe­rungs­me­tho­den der Da­ten auf­ge­führt. Die ver­ti­ka­le Ach­se be­schreibt auf der lin­ken Sei­te die ver­brauch­te En­er­gie und auf der rech­ten Sei­te die aus­ge­stos­se­nen CO2 Emis­sio­nen pro Überlieferungsmethode.

Zum Zeit­punkt der Un­ter­su­chung wa­ren Strea­ming­diens­te wie Net­flix oder Ama­zon Prime noch nicht so gross wie heu­te. Des Wei­te­ren wa­ren im Jahr 2011 Smart­phones oder Ta­blets we­ni­ger ent­wi­ckelt, wes­halb die­se Ge­rä­te zum Schau­en von on­line Vi­de­os we­ni­ger at­trak­tiv wa­ren. Durch die ra­san­te Ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gien wer­den heu­te 60% des glo­ba­len Da­ten­ver­kehrs durch on­line Vi­de­os ver­ur­sacht. Da­bei ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die­se Zahl wei­ter zu­neh­men wird. Für die­se Zu­nah­me spre­chen zum Bei­spiel Be­rech­nun­gen zum Trend­ver­hal­ten von Ja­pan. Im Jahr 2019 stream­ten 21.60 Mio. Japaner:innen, wäh­rend für das Jahr 2025 ei­ne Zu­nah­me um 10.94 Mio. (bei 125.8 Mio. Ein­woh­nern) pro­gnos­ti­ziert wird. Da Ja­pan ein In­dus­trie­land ist, muss ei­nen ähn­li­chen Trend für an­de­re In­dus­trie­län­dern an­ge­nom­men wer­den. Die­se vie­len zu­sätz­li­chen Nutzer*innen er­hö­hen den Da­ten­ver­kehr, was mehr CO2 Emis­sio­nen verursacht.

Was kön­nen wir da­ge­gen tun?

Ei­ne gros­se Rol­len spie­len die ge­nutz­ten Ge­rä­te zum Strea­men. In ei­ner Stu­die von Su­ski und Kol­le­gen aus dem Jahr 2020 wur­den der Smart TV, das Ta­blet, der PC und das Smart­phone ver­gli­chen, wo­bei ge­mes­sen wur­de, wie gross das je­wei­li­ge Kli­ma­er­wär­mungs­po­ten­ti­al ist. Da­bei er­gab sich, dass ins­be­son­de­re der Smart TV, dicht ge­folgt vom PC, sehr schäd­lich sein kann, wäh­rend das Smart­phone das ge­rings­te Scha­dens­po­ten­ti­al hat. Des Wei­te­ren zeig­te die Stu­die, dass Men­schen am längs­ten über den PC und das Smart­phone strea­men. Aus die­sem Grund emp­fiehlt es sich ab und zu auf den Smart TV zu ver­zich­ten. Ins­be­son­de­re gilt die­se Emp­feh­lung, wenn gar nicht wirk­lich auf den Bild­schirm ge­schaut wird und der TV nur zur Ab­len­kung läuft. 

Des Wei­te­ren ist es von Vor­teil in en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­rä­te zu in­ves­tie­ren, da­mit der CO2 Ab­druck mög­lichst klein bleibt. Zu­letzt lohnt es sich vor al­lem bei der Mu­sik, Da­tei­en, wel­che mehr­mals ge­hört wer­den, her­un­ter­zu­la­den. Da­durch re­du­ziert sich der Da­ten­trans­fer. Ei­ne wei­te­re fu­tu­ris­ti­sche Lö­sung stellt die Nut­zung der fünf­ten Ge­ne­ra­ti­on des mo­bi­len Netz­werks (5G) dar. Vie­le Forscher:innen tüf­teln an der Lö­sung für un­se­ren Strea­ming Hun­ger. Da­bei ist die­se neue fu­tu­ris­ti­sche Idee nicht ganz ein­fach zu ver­ste­hen, wes­halb wir hier nicht wei­ter dar­auf ein­ge­hen wer­den. In un­se­rem nächs­ten Blog wer­den wir je­doch die Be­deu­tung der 5G Tech­no­lo­gie für die Um­welt ge­nau­er behandeln. 

So­mit be­fin­den wir uns am En­de un­se­res heu­ti­gen Blog­bei­trags. Falls euch ei­ne Aus­füh­rung un­klar ist oder ihr ger­ne mehr wis­sen wollt, dann hin­ter­lasst uns ei­nen Kom­men­tar. Wir freu­en uns darauf!

Quel­len­ver­zeich­nis

Fus­ter, T. (2019). Strea­ming ist das neue Flie­gen — wie der di­gi­ta­le Kon­sum das Kli­ma be­las­tet. Neue Zür­cher Zei­tung.

She­ha­bi, A., Wal­ker, B., & Ma­sa­net, E. (2014). The en­er­gy and green­house-gas im­pli­ca­ti­ons of in­ter­net vi­deo strea­ming in the United Sta­tes. En­vi­ron­men­tal Re­se­arch Let­ters, 9, 054007.

Su­ski, P., Pohl, J., & Frick, V. (2020). All you can stream: In­ves­ti­ga­ting the ro­le of user be­ha­vi­or for green­house gas in­ten­si­ty of vi­deo strea­ming. ICT 4S2020: Pro­cee­dings of the 7th In­ter­na­tio­nal Con­fe­rence on ICT for Sus­tain­abli­ty, 128–138.

Ta­ba­ta, T., & Wang, T. Y. (2021). Life cy­cle as­sess­ment of CO2 emis­si­ons of on­line mu­sic and vi­de­os strea­ming in Ja­pan. Ap­pli­ed Sci­en­ces, 11, 3992.

Ab­bil­dungs­ver­zeich­nis

Abb. 1: The en­er­gy and green­house-gas im­pli­ca­ti­ons of in­ter­net vi­deo strea­ming in the United Sta­tes. En­vi­ron­men­tal Re­se­arch Let­ters, 9, 054007.

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